Der letzte Krieg. Milchama – Krieg. Als Deutscher, geboren 1961, ist Krieg so unvorstellbar weit weg. Ich bin in Zeiten des Waffenstillstands geboren. Im goldenen Westen, wie man einst im Osten sagte. Flüchtlingskind. Wirtschaftswunder. Baby-Boomer. Dann holten die Traumata der Eltern uns ein. Entwurzelung. Schuld, ohne schuld zu sein. Waren sie doch in Kriegszeiten geboren oder kurz davor. Flucht aus der Heimat, die heute Ukraine heißt. Oder Tschechien. Ethnische Säuberung nennt man das heute. Doch es war immer “Frieden”. Keine Bombenhagel, Feuerstürme, Panzer, Raketen, Gewehrsalven mehr. Tief traumatisiert. Dinge über die man nicht redet. Hauptsache überlebt. Das Leben muss weiter gehen. Wie schnell man vergisst. Dazu ein bisschen Wohlstand.
In einem anderen Land. Alt-Neuland. Das alte Land, von Gott selbst gegeben. Das neue Land muss seit über 75 Jahren ständig verteidigt werden. Gleich am Anfang griffen alle Nachbarn an, um den jungen, neugeborenen Staat auszulöschen. Der Staat, der gerade neu gegründet wurde, ist nicht willkommen bei den arabischen Nachbarn.

Seitdem gab es noch einige Kriege. Frieden ist hier ein Waffenstillstand. Es gibt keine Friedensverträge mit den meisten Nachbarn. Sie wollen Israel immer noch vernichten. Der Staat Israel und seine Bewohner sind es gewohnt, könnte man meinen.
Und jetzt, 2026 ist es noch einmal eskaliert. Israel und die USA haben den Iran angegriffen. Präventivschläge, wie vor ein paar Monaten, gegen die Atomanlagen. Jetzt ist es krasser. Sie haben die Führungsriege eliminiert und seitdem wird Israel mit Raketen angegriffen. Auch die Hisbollah im Libanon ist wieder aktiver und schickt ihre Raketen nach Israel. Israel hat eine Bodenoffensive im Libanon gestartet. Der Iran wird weiter bombardiert.
Es scheint keinen Ausweg zu geben. Keine Exitstrategie. Sind die Führungen, Trump und Netanjahu an der Spitze wirklich so blauäugig in den Krieg gezogen? Kaum vorstellbar.

Man sollte keine Nachrichten schauen. Ist vermutlich sowieso alles aus Quellen, die man kaum überprüfen kann. Was ist Propaganda? Was ist Wirklichkeit?
Ich war nicht begeistert, als ich vom Erstschlag gegen die Mullahs erfuhr. Wie einfach das war. Klar bin ich dafür, dass diese Mullahs weg kommen, denn seit sie den Iran beherrschen sind sie für den politischen Islam verantwortlich, für die Finanzierung des Terrors in der Region. Hamas, Hisbollah. Vermutlich Boko Haram und was weiß ich.
Dieser schwarze Block gehört nicht ins 21. Jahrhundert. Sie sind 15. Jahrhundert. Sie sind erklärter Feind Israels und der USA. Sie unterdrücken die Frauen und sie haben so viele Menschen im Iran getötet. Sie haben kein positives Menschenbild.
Trotzdem bin ich der Meinung, dass das iranische Volk selbst ihre Tyrannen beseitigen sollte. Ich bin der Meinung, dass die Menschen im Iran ihre eigene Regierung wählen sollte. Eine Regierung, deren Hauptziel nicht die Ausrufung des Kalifats über die Welt hat, sondern eine Regierung, die das Streben ihrer Menschen nach Glück unterstützte.
Vielleicht würden sie dann auch einen der vorderen Plätze beim Weltglücksindex einnehmen. Wie Israel wieder Platz 8.
שבט אחים ואחיית
Ein Volk aus vielen unterschiedlichen Ethnien und sogar Rassen, aber mit einem verbindenden Element: A jiddische Momme. Weitere einigende Elemente sind der Shabbes, selbst für säkulare Juden. Der Shabat ist ein Tag, an dem das öffentliche Leben zum Erliegen kommt. Wie lange das noch so bleibt? Ich weiß es nicht, aber es ändert sich einiges. Sie pflegen ihre Speisevorschriften, sie singen ihre Shabatlieder. Ja, sie feiern gerne. Familie ist sehr wichtig.
Wie uneinig die Israelis sind, sieht man, wenn man das Land besucht. Wir Deutschen haben in der Politik immer Koalitionen, die durch Verträge abgesichert werden, bevor überhaupt regiert wird. Die Regierungen in Israel, mit vielen Koalitionspartnern sind erstaunlich stabil. Man weiß, was man nicht fordern darf, was geht und was nicht geht. Man ist in Israel trotz aller Differenzen eher pragmatisch. Die Demos der Linken am Samstag Abend, dem Ende des Shabats gegen die Regierung oder gegen Nethanjahu und die Demos während des Krieges gegen Gaza zeigten mir, wie zutiefst gespalten das Land ist. Ich habe letztes Jahr selbst eine Demo erlebt und war von einem Gegendemonstranten beeindruckt, der sich vehement gegen Demonstranten gestellt hat. Er war im Krieg und hat Kameraden verloren. Die Demo empfand er persönlich als Beleidigung und Entehrung. Die IDF ist ein Querschnitt aller Gesellschaftsschichten. Männer dienen drei Jahre und Frauen zwei Jahre. Der Dienst ist unpopulär, denn er bedeutet in Friedenszeiten lange, scheinbar sinnlose Dienstabläufe. Jedoch ist durch die IDF ist ein Stamm von Brüdern und Schwestern entstanden: Shevet achim ve achayot.
Israelis sind nicht gerne im Krieg. Ich wette, dass viele Israelis keineswegs mit der jetzigen Situation einverstanden sind, dass iranische Raketen nach Israel gefeuert werden und auch die Altstadt von Jerusalem treffen konnten. So kurz nach dem Gazakrieg ein neues Kriegsziel mit ungewissen Ausgang. Doch ich glaube, sie wissen, dass es notwendig ist. Der Iran hat den Terror der Hamas und der Hisbollah erst möglich gemacht.
Die Israelis sind ein friedliebendes Volk. Ein Teil der Israelis würde sogar so weit gehen, den Arabern in Gaza weite Zugeständnisse zu machen, den Syrern, den Libanesen, der Hisbollah, den Mullahs, nur um eine Illusion von Frieden zu generieren, der dann letztlich in einer noch viel größeren Bedrohung enden würde. Ein anderer Teil setzt auf Stärke und setzt auf Erstschläge. Ein Teil setzt auf den Krieg, um den Feind so sehr zu demoralisieren, dass er nie wieder angreift. Beide Ansätze sind legitim und beide Ansätze sind falsch und unrealistisch.
Alle wünschen sich Frieden. Nicht umsonst ist der Gruß in Israel ein schlichtes Shalom. Frieden (und so viel mehr).
Israelis wünschen sich den inneren und äußeren Frieden. Sie wünschen sich ein gutes Auskommen mit ihren Nachbarn, und letztlich auch in ihrem Herzen. Jeden Freitag Abend, wenn der Shabat beginnt, sieht man in den Augen und in den Gesichtern diese Hoffnung: Heimkommen und Frieden in der Hütte finden. Der (äußere) Friede nicht nur ein Waffenstillstand, sondern ein echter und wahrhafter Frieden.
Wer bin ich, so etwas zu sagen? Weiß ich, wie der Weg dahin ist? Frieden schenken? Endlos verhandeln? Beten? Der letzte Krieg, Milchama Achrona? Israel aufgeben? Sag du es!