Ich bin schon seit längerem auf der Suche nach neuen Filmen, die ich in unserer Gemeinde zeigen kann.
Leider gibt es nicht viele israelische Filme mit deutscher Synchronisation. Einer meiner Lieblingsfilme, “Sommer in Haifa” war auf Hebräisch mit Untertiteln. Das war schon schwer genug. Meine Themenreihe besteht nicht nur aus reinen israelischen Produktionen. Es gibt viele gute Regissseure und noch mehr gute Geschichten. Und die meisten guten Filme hatte ich schon gezeigt. Die guten Filme im Original mit Untertiteln oder in englischer Sprache kann ich nicht zeigen, weil hierfür das Publikum fehlt.
Auf der Suche nach guten Filmen wurde mir “Gelobtes Land” angepriesen. Er wäre der beste Film zum Thema Israel. Mit historischen Bezügen. Blablubb. Ich hätte hellhörig werden müssen. Zudem ist der Film kein Film sondern eine Miniserie. Sie wurde vom BBC fürs Fernsehen produziert. Ich tat es mir trotzdem an.

Vorab: Wenn man alle negativen Klischees in einen Film packen konnte, dann in diesem Film. Er ist aus der Sicht einer jungen Engländerin mit gelegentlichen Epilepsie-Anfällen erzählt. Völlig überflüssiges Detail. Anfälle passieren immer, wenn es dem Drehbuchautor nötig erschien oder er keinen geschmeidigen Übergang zur nächsten Szene wusste. Eigentlich müsste das schon als Filmkritik reichen. Film erzählt. Es ist eines dieser sinnlosen Elemente in diesem Film. Überflüssig. Konstruiert.
Ihr Großvater liegt zum Sterben im Krankenhaus. Mit ihrer Mutter, die vermutlich alleinerziehend ist, geht die Tochter (Beruf Tochter) widerwillig ins Krankenhaus. Keinerlei emotionale Bindung. Der Großvater ist einfach ein Mann, der im Sterben liegt.
In der nächsten Szene sind Mutter und Tochter im Haus des Großvaters zu sehen, weil sie natürlich gleich den Haushalt des Großvaters auflösen müssen. Vollkommen logisch. Bei der Mutter und der Enkelin sind keine emotionalen Momente, außer um einen Mutter-Tochter Konflikt anzudeuten. Man bekommt den Eindruck, dass es sehr schnell gehen soll. Irgendein Geheimnis. Der Mutter sind alle persönlichen Gegenstände egal. Sie möchte alle möglichen Spuren seines Lebens vernichten, verschwinden lassen. Wenigstens Mißbrauch. Nein, eher nicht. Die Tochter stösst auf ein Tagebuch, blättert ein wenig darin aber Mama möchte, dass es weggeworfen wird. Wir ahnen, sie nimmt es trotzdem an sich. Ach ja Spoiler, die Tochter macht immer das Gegenteil. Alles sehr kalt. Unemotional. Anti-emotional.
Sie beginnt, das Tagebuch zu lesen. Der Film wechselt immer dann auf eine Vergangenheitsebene. In Rückblicken rund um die Aufzeichnungen des Großvaters wird versucht eine objektive Geschichte zu erzählen. Man sieht Bilder seiner Stationen vom Krieg, vom KZ (zum Teil Originalbilder), von der Verlegung nach “Palästina”, also Israel, vor der Staatsgründung. Die Briten haben dort das Mandat. Jetzt sollte man ein wenig historisches Wissen besitzen. Palästina, Osmanen, Briten, Balfour Deklaration, UN-Abstimmung. Das hilft, den Film besser einzuordnen. Das hilft, die Geschehnisse besser zu verstehen.
Der Großvater schreibt, wie sehr ihn das mitnimmt, vom KZ nach Palästina versetzt zu werden. Beides Male sind die Juden hinter Stacheldraht. Einmal werden sie befreit, einmal werden sie wieder interniert. Noch kann er positive Gefühle mit den Menschen, die die Hölle überlebt haben verbinden. Doch am Ende ist er einfach ein britischer Offizier und befolgt Befehle.

Die Enkelin (Tochter, Epileptikerin) hat keine Ahnung von Geschichte. Weder von der ihres Landes und der Rolle, die England sowohl im Krieg als auch als Mandatsmacht in Palästina einnahm. Sie liest halt das Tagebuch, das irgendwie mit ihr zu tun hat.
Dann taucht eine Freundin auf, die sie nach Israel einlädt, um bei ihrer reichen Familie zu wohnen, während sie den Militärdienst antritt. Ganz normal. Sie fliegen gemeinsam nach Israel. Erster Klasse, versteht sich.
Ihre Freundin ist die Tochter eines hochdekorierten, ehemaligen Offiziers der IDF. Alle in der Familie gehen oder gingen zum Militär. Sie sind überaus nett. Liberal nett. Reich und nett. Die Geschichte des Großvaters wird weitererzählt. Die Engländer sind immer noch Mandatsmacht und haben dafür zu sorgen, dass sich Araber und Juden nicht gegenseitig killen. Gleichzeitig müssen sie auch die illegale Einwanderung unterbinden und die Untergrundorganisationen der Irgun und Hagana bekämpfen. Der Großvater erfüllt ja nur seine Pflicht. Die Juden bomben und töten Briten, also seine Kameraden. Die Juden töten eigene Leute, die des Verrats beschuldigt oder überführt wurden. Die Juden arbeiten in der Verwaltung der Engländer und die hübschen Frauen vertreiben den Engländern in Klubs die Zeit. Die Frauen betrügen die Gefühle der aufrichtigen Engländer. Es sterben Engländer.
Die Epileptikerin hat durch das Lesen des Tagebuchs des Großvaters kein neutrales Bild von Israel. Dann lernt sie den Bruder ihrer Freundin kennen, der ein bekennender Oppositioneller (Systemfeind?) ist. Jedenfalls stellt er die Legitimität des Staates in Frage und bestärkt sich und andere in der Ansicht, dass Israel zu Unrecht das Land bekommen hat und besetzt. So typisch links, reich, privilegiert.
Jetzt spätestens hätte ich die DVD auswerfen sollen. Ich wusste genau, was folgen sollte. Es war die typische anti-israelische Propaganda. Böse Israelis – gute Palästinenser. Opferkult auf der einen Seite und Schuldkult auf der anderen Seite. Selbst ein Selbstmordattentat, dem sie knapp entkommt und bei dem der Bruder verletzt wird, ändert ihre kritische Haltung nicht. Klar, die Attentäterin ist uncool. Aber es muss doch einen rationalen Grund geben. Die Araber sind eindeutig Opfer der illegalen Okkupation durch Israel.
Sie kommt nach Hebron. Böse Siedler. Böse Armee. Böse Siedlerkinder. Araber sind Opfer. Für die Epileptikerin ist es natürlich ungerecht. Das Tagebuch und der Bruder und der arabische Christ bestärken sie in ihrer Ansicht, dass es ein Unrecht ist.

Der arabische Christ, den sie kennengelernt hat, ist Israeli und ist mit dem Bruder befreundet und arbeitet mit ihm in einer NGO mit, die sich für Verständigung zwischen Israelis und Arabern eintritt.
Im Tagebuch ist, Trommelwirbel…. ein Schlüssel. Jeder Araber hat einen Schlüssel. Er zeigt ihr seinen Schlüssel und sie zeigt ihm den Schlüssel des Arabers, der aus Hebron fliehen musste, weil die bösen Juden, während des Abzugs der Engländer Massaker an den Arabern verübten. Vielleicht sind diese Dinge wirklich geschehen.
Aber es ist eben nur der Teil, der arabischen Seite. Kein Kontext. Kein Verweis auf den von den Briten eingesetzten Großmufti von Jerusalem, Al Husseini. Wie er die Araber unter Druck setzte, ja nicht mit den Juden gemeinsame Sache zu machen. Es wurden wirklich Massaker von Arabern an Arabern verübt. Israel wurde immer wieder angegriffen oder ist Selbstmordattentätern ausgesetzt. Es wurde hier wirklich nur das eine Bild gezeigt: Araber als Opfer.
Inzwischen weiss die Epileptikerin, dass der Mann, dem der Schlüssel gehört in Gaza sein soll. Der arabische Christ bringt sie über einen Tunnel nach Gaza. Ja, hier soll die Hamas das sagen haben. Wie dumm kann man nur sein? Ein Tunnel von Israel nach Gaza. Klar. Alle Araber sind solidarisch und kennen geheime Tunnel nach Gaza. Und nein, die Hamas unterdrückt keine arabischen Christen in Gaza. Solange sie mitmachen. So kommt sie in das Haus einer Selbstmordattentäterin. Alle trauern und trinken Tee bevor das Haus von der bösen israelischen Armee zerstört wird. Jeder Attentäter sollte wissen, wie Israel auf Attentate reagiert.
Schließlich kommt sie in das Haus des Mannes aus Hebron. Er ist inzwischen gestorben. Die Tochter ist hochbetagt und kann sich anhand einer Fotografie auch an den Großvater erinnern. Darum gibt sie ihr den Schlüssel. Dann kommt die Armee und will auch das Haus dieser Frau sprengen. Ich hab schon seit über einer Stunde ausmachen wollen. In dem Film ist kein einziger Jude symphatisch. Es ist ein einseitiges Bild, das hier gezeichnet wurde. Vieles mag auch so sein. Die Szenen in Hebron können so sein, denn die Armee muss die Siedler in Hebron schützen, egal, was sie machen. Aber die Epileptikerin und der unbedarfte Zuschauer wird ein negatives Bild im Gedächtnis behalten. Mein Fazit ist vernichtend.
Es ist ein Propagandafilm.